Achtsamkeit, ein spezieller Blick auf den Umfang

Achtsamkeit

Ich bin überzeugt, sehr viele der Zuhörer hier wissen mehr oder weniger über Achtsamkeit in ihrem Kontext und Alltag Bescheid. Die Praxis ist da schon schwieriger. Deswegen das folgende Zitat.

Wer weiß, wie er glücklich werden kann, muss nur noch mutig genug sein, danach zu leben.

John Irving *2.3.1942; z.B. Gottes Werk & Teufels Beitrag

Ich möchte hier meine Sichtweise darstellen, die sicher dem Einen oder Anderen auf Grund der speziellen Verknüpfung eine Bereicherung sein wird.

Ich äussere mich zu folgenden Fragen :

1. Was glauben wir was Achtsamkeit ist?

2. Warum jetzt das mit der Achtsamkeit?

3. Was sind die Aufgaben der Achtsamkeit?

4. Und wie ?


1.Was glauben wir was Achtsamkeit ist?

Achtung !! Aufmerksamkeit !

Geschulte Aufmerksamkeit. Achtsamkeit ist das Thema : wohin richte ich meine Aufmerksamkeit.

Wem trauen wir so etwas wie Achtsamkeit auf jeden Fall zu? So ganz klischeehaft. Dem meditierenden Mönch in seiner Höle im Himalaja.

Der Mönch im Himalaja, dem würden wir doch Achtsamkeit auf jeden Fall zutrauen. Warum? Welche Eigenschaften ordnen wir ihm zu?

Ganz einfache Lebensweise, wenig mit der Aufmerksamkeit im Aussen. Viel Aufmerksamkeit nach Innen, Kontemplation, also in der Anschauung dessen was ist und Spiritualität, Hinwendung zum Geist.

Anschauung dessen was ist in der Innenwelt: Das impliziert schon langsam werden, Entschleunigung, Körperwahrnehmung im Jetzt. Wenn man Innen das Licht anknipst dann erscheinen Gefühle, Gedanken, Gedankenmuster, und Spiritualität, also Hinwendung zum Geist. Um was für Geister es geht führe ich dann noch aus.

Für viele von uns eine fremde Welt.

  1. Aber warum denn überhaupt das mit der Achtsamkeit? Wo ist denn das Problem? Warum kann nicht alles so bleiben wie es ist?

Weil – Wir, hier heute, befinden uns in einer besonderen Situation. Das ist der Grund. Wir haben die Gelegenheit und das Zeug dazu.

Konnten die Menschen dies früher nicht? Und in anderen Weltgegenden? In der Masse konnten sie es nicht und können es in vielen Ländern auch heute nicht.

Was war denn los, früher?

Seit vielen Generationen werden alle psychischen Probleme in den Familien der einfachen Menschen sorgsam unter den Teppich gekehrt. Und die Masse der Menschen war arm und lebte sehr einfach und abhängig.

Was wurde von den Altvorderen verschwiegen und unter den Teppich gekehrt? Was waren deren Sorgen?

Nicht hungern, die Familie versorgen, wenn ein erträglicher Status erreicht war ging es darum diesen zu erhalten, gut angesehen sein, mit der Obrigkeit gut stehen, aufpassen, dass sich die Familienmitglieder in der Öffentlichkeit gut benehmen.

Denn, über allem schwebte das Schwert des Unterganges, der Arbeitslosigkeit, der Vernichtung. Der Untertanengeist bot sich als Bewahrer des Lebens.

Über viele Generationen wurde Anpassung und Untertanengeist trainiert. Siehe auch : Der Untertan, Heinrich Mann

Dann gab es da noch viele Dinge die verschwiegen wurden. Keiner soll wissen, dass sich der Onkel, der ruhmreich aus dem Krieg heimkam, erhängt hat oder ins Moor gegangen ist und auch erst recht nicht, was da geschehen ist im Krieg. Fast alle Familien haben den wesensveränderten Kriegsrückkehrer in ihrem Kreis. Warum – darüber sprach er nicht.

Niemand soll wissen, dass Familienmitglieder sich an den Kindern vergriffen haben, auch nicht innerhalb der Familie. Dabei war es in einfachen Arbeiterkreisen, zumal unter Einfluss von Alkohol, durchaus üblich diese Grenze zu überschreiten oder so zu tun als wäre alles so ganz normal.

Auch die acht Abtreibungen mit der Stricknadel oder dem Kleiderbügel, die hat die Mutter verschwiegen. Und vor ihr deren Mutter auch.

Es gab also viel Anpassungsverhalten und jede Menge Leichen im Keller.

Aber wir sind materiell in einer ganz anderen Situation, wir könnten diesbezüglich weitgehend angstfrei sein. Wir haben jetzt die kulturellen Einflüsse aus der ganzen Welt und vielen unterschiedlichen Religionen zur Verfügung. Wir verfügen über vergleichsweise viel Wissen zum Thema Achtsamkeit und alternative Denkansätze.

Bei der fortschreitenden Verdummung in Deutschland könnten wir aber auch eine der letzten Generationen sein, die über dieses Wissen verfügt. Heilpraktiker sind ja jetzt schon verschrien. Vor Homöopathie, z.B. warnt die WHO 2009 trotz millionenfacher Heilerfolge, während dessen die GAVI – eine NGO der Impfallianz, einen quasistaatlichen Status in einigen europäischen Staaten erhält.

3.Was sind denn die Aufgaben der Achtsamkeit

Wer sich mit Achtsamkeit beschäftigt und in seinem Inneren Licht anknipst, der begegnet dem großen Unbekannten. Denn in unserem Alltag ist alles nach aussen gerichtet, das Innere wird kaum beleuchtet. Schon der Begriff Liebe auf den Nachbarn und erst recht auf Gegendemonstranten angewendet ist in der Praxis mit Fragezeichen versehen und nicht alltäglich. Deswegen gelingt die Spaltung auch so gut. Vielleicht begegnet uns das große Unbekannte im Inneren nebulös, als ein undurchsichtiges Meer oder ein Wald mit Geistern.

Stellen wir uns doch mal vor : Wir fahren in einem Boot auf dem Meer. Die Wellen heben und senken das Boot und wir stehen in dem Boot und schauen auf die reflektierende Oberfläche des Wassers. Dieses Sehen der Wellen an der Oberfläche ist das Bewustsein, und das tiefe weite Meer darunter ist das Meer des Unterbewustseins. Alles beides zusammen das sind wir. Wir können nur unter besonderen Umständen hinein sehen. Und dieses Meer gilt es, zu erschließen.

Wem das Bild vom Meer nicht liegt, kann das Unbewusste auch mit einem tiefen Wald vergleichen. Wir stehen am Waldrand und sehen nur die ersten Bäume. Aus der Tiefe des Waldes hören wir Stimmen. Dort gehen nicht nur die Leichen um, der Onkel und die abgetriebenen Kinder. Da ist die gesamte Menscheitsgeschichte abgespeichert. Fabelwesen und Geschichten. Narrative.

Wo? Kleiner Ausfallschritt zur Seite, wo ist das Unterbewusstsein gespeichert? Wo ist der Wald? In unserem Körper, in unserem morphogenetischen Feld.

Zurück zum Wald, da sind z.B. die verlassenen Kinder, Hänsel und Gretel, die sprechen in unserem Unterbewustsein weil wir selber einmal verlassen wurden. Ein Trauma. Traumen in den Familien stehen oft oder meist in Beziehung zueinander, sind in der ganzen Familie zu finden.

Jeder findet im inneren Wald entsprechend seiner abgespeicherten Geschichte der Vorfahren und des eigenen Lebens andere Erzählungen. Manchmal wurden die Erzählungen im Laufe der Jahrhunderte zu Mythen und Märchen verdichtet. Eine Kulturleistung der Menschheit.

Und diese Erzählungen und Märchen in unserem Unterbewusstsein sorgen dafür, dass wir das Märchen wieder und wieder durchspielen. Wir stellen z.B. immer wieder die Situation her, dass wir verlassen werden.

Achtsamkeit kann uns zu einem Zugang zu unserer Geschichte führen.

4. Und wie jetzt Achtsamkeit ?

Oft höre ich : Es ist ja nicht so, das ich nicht möchte. Aber es geht nicht. Was steht denn da im Wege?

Ein Beispiel : Wir erleben in Coronazeiten, dass Menschen das Bedürfnis haben, andere zu belehren. Einschließlich wir selber. Das Gegenüber macht auch gleich mit. Mindestens innerlich. Der Andere soll es einsehen, er ist im Unrecht und ich habe Recht. Es geht um Rechthaberei. Da sind die Menschen schon nicht mehr in ihrer Achtsamkeit.

Die Menschen gehen mit einer Art Wippe im Kopf aufeinander zu. Immer wenn es gelingt ein tolles Argument zu platzieren, dann fühlt man sich überlegen. Die überlegene Person wird auf der Wippe schwerer, senkt sich herab und der Andere zappelt auf der anderen Seite der Wippe, da oben in der Luft, hilflos mit den Beinen. Überlegenheitsgefühl. Dann platziert der Andere ein treffendes Argument, gewinnt an Gewicht und senkt sich herab und bekommt Boden unter die Füße. Auf und ab. Es geht ums gewinnen.

Oder auch der Besuch im Supermarkt, schon vorher ist klar, ich muss die Maske aufsetzen, die zwingen mich, also in meiner Vorstellung schreie ich schon den Anderen an oder ich senke den Kopf angstvoll und atme ganz flach oder meine Faust landet virtuell schon in einem Gesicht. Hoffentlich spricht mich keiner an. Was für eine beknackte Lage.

Alles ganz automatisch und ohne unsere bewusste Entscheidung. Wir kommen da nicht raus.

Spätestens hier bemerken wir, wir sind auf unsere Konditionierung angewiesen. Auf unser Training mit dem, was unser Verhalten beeinflusst, dem inneren Wald.

Machen wir uns also an die Arbeit.

Aber — Das ist eine andere Welt da im inneren Wald, mit anderen Regeln und Gesetzen. Z.B. die Märchen bewirken, dass wir immer wieder Lebenssituationen herstellen, in denen sie wieder und wieder ablaufen können. Z.B., dass wir wieder verlassen werden. Also jeder Mensch hat da seine eigenen Geschichten.

Das Schöne und Entlastende, wir können uns Verbündete im Wald erschaffen.

Wer können die sein? Zum Beispiel ganz profan mit der Methode Voice Dialogue. Das ist ähnlich wie eine Familienaufstellung. Mit Hilfe von jemandem, der sich auskennt, rufen wir den Teil in unserem Selbst auf, der damals von unserem Vater geprägt wurde. Und dann den Teil, der von unserer Mutter geprägt wurde und dann vielleicht den Teil der von unserem Opa geprägt wurde. Und dann das innere Kind und vielleicht das Kind das wir mit 5 Jahren waren, das auf die Kur geschickt wurde und ganz einsam war und immer aufessen musste und nicht nach Hause durfte. Ganz ähnlich zu der Geschichte vom Hänsel. Sobald ich dieses Fünfjährige Kind aufrufe, stellen sich fast wie von selber Hänsel und Gretel neben das Kind. Entscheidend ist dann, dass wir den Dialog herstellen und uns kennen lernen, wirken lassen. So viel zu Voice Dialogue.

Man kann auch das Körpergefühl zu seinem Verbündeten machen. Ganz im Jetzt im eigenen Körper sein, mittels Meditation Präsenz im Körper sinnlich verstärken.

Es gibt auch noch ganz andere Helfer, vielleicht Jesus oder Maria, die Mutter Gottes, oder mein Über-Ich oder jemand kommuniziert mit den Meistern der Akascha-Chronik.

Wir haben die Wahl und das macht die Sache Anfangs etwas kompliziert. Ich selber habe sie inzwischen alle liebgewonnen.

Zu den Regeln im inneren Wald gehört : Es gilt Jedem und jedem Anteil mit Wertschätzung, Dankbarkeit, Liebe und Anerkennung zu begegnen! Raum geben! Das Alles ist viel verlangt und ergibt sich nicht von selber. Es kann oder muss sogar erforscht werden. Ein Abenteuer.

Wenn ich Hänsel und Gretel erzählen lasse, dann achte ich darauf an welcher Stelle mein kleines inneres Kind den Blick senkt. Dann schaue ich es an und dann schaut es mich an und dann passiert etwas.

Wenn wir also unsere muntere Schar an Mitbewohnern beisammen haben, den Körper und die inneren Stimmen, dann können wir zum Üben in den Supermarkt gehen oder kalt duschen oder im März im See schwimmen gehen. Ich bin sicher, die inneren Stimmen und der Körper, die melden sich. Es wird sich eine Diskussion entwickeln anlässlich der Frage, ob wir nun ins kalte Wasser untertauchen oder nicht und was bitte das Ganze soll.

Regeln, Verhalten, Themen zum Umgang mit dem Unterbewussten – jedes für sich ein Vortragsthema: Hier und jetzt, Selbstfürsorge, Sinnlichkeit, Wertschätzung, Dankbarkeit, Gewohnheiten ändern, Haltungstransfer, Liebe, Anerkennung, Raumgeben, wertschätzende Kommunikation nach innen.

Ebenso die wertschätzende Kommunikation nach aussen.

Vieles machen wir schon. Immerhin.

Wir treffen uns wirklich physisch miteinander. Nicht nur im Netz. Unsere morphogenetischen Felder und Körper kommunizieren zusätzlich zu dem Gesagten miteinander. Da ist so viel mehr als sich aussprechen lässt.

Angst in der Kommunikation ansprechen. Wir wollten doch möglichst nichts mehr unter den Teppich kehren.

Wenn man sich trifft, kann man die Angst ansprechen. Dem Thema einen Raum erschaffen. Mit der eigenen Angst anfangen. Die Angst der Anderen anerkennen.

„Entschuldige darf ich mal fragen, hast du große Angst vor Ansteckung? Oder hast du Angst vor Armut oder Angst nicht dazu zugehören, isoliert zu sein? Oder Angst vor der Diktatur oder wovor hast du Angst. Und wie groß ist sie ?“

Dann ist da eine Gesprächsebene, und die Angst will und sollte, genau so wie die anderen inneren Themen, anerkannt werden.

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